Macht Geld glücklich? [Artikelserie]

Obwohl sich das Pro-Kopf-Einkommen der Deutschen seit den Fünfzigerjahren mehr als verdoppelt hat, sind wir nur unwesentlich glücklicher – die Wissenschaft spricht vom Wohlstandsparadoxon. Zurecht stellt sich also die Frage: Macht Geld glücklich? Wir haben uns umgehört und erstaunliche Ergebnisse der Glücksforschung zu Tage gefördert, die wir im Folgenden mit euch teilen möchten.

Die Beziehung zwischen Mensch und Geld ist komplex

Wie wir schon in unserem Artikel über Glücksstudien und Glücksforschung angedeutet haben, ist der relative Reichtum entscheidend. Wer mehr verdient als seine Freunde, Nachbarn und Kollegen ist glücklicher – unabhängig vom tatsächlichen Einkommen. Dies bewiesen unter anderem die amerikanischen Soziologen Glenn Firebaugh und Laura Tach, indem sie eine Reihe von Testpersonen zwischen den folgenden zwei Szenarien wählen ließen:

  • Sie verdienen 60.000 US-Dollar pro Jahr, ihre Kollegen 50.000.
  • Sie verdienen 80.000 US-Dollar pro Jahr, ihre Kollegen aber 90.000.
  • Die Mehrheit der Testpersonen entschied sich überraschenderweise für das erste Szenario. Sie verzichteten also auf tatsächliches Einkommen, um relativ gesehen mehr zu verdienen.

    Macht Geld glücklich? Die Glücksforschung erkennt Parallelen

    Auch die Persönlichkeit eines Menschen entscheidet über die Auswirkungen von Geld auf dessen Glück und Wohlbefinden. Wie Glücksforschung.org schreibt, hängen vor allem neurotische Menschen stark von ihrem Einkommen und Vermögen ab. Sie sind ängstlicher, unsicherer und reagieren stärker auf negative Erlebnisse. Einkommensschwankungen und Veränderungen in ihrem Umfeld verkraften sie deshalb deutlich schlechter als Normalbürger.

    Das Glück der Lottogewinner und Millionäre

    Eine weitere Studie zur „Psychologie des Glücks“ aus Oxford belegt, dass auch sehr reiche Menschen nur wenig glücklicher sind als der Normalbürger. In einem kleinen Test wurden 100 Amerikanern mit einem Vermögen von mehr als 125 Millionen US-Dollar nach ihrem Wohlbefinden gefragt. Sie gaben an, sich zu 67 Prozent glücklich zu fühlen. Ein Wert, dem auch eine Stichprobe unter Normalverdienern mit einem Wert von 62 Prozent überraschend nah kam. Bis zu einem gewissen Vermögen, so die Erkenntnis der Glücksforschung, steigt das Wohlbefinden mit dem Vermögen. Ab ungefähr 60.000 Euro im Jahr lässt der Effekt nach.

    Ähnliches gilt auch für einen Lotto-Gewinn. Er steigert das Glück des Gewinners nur für kurze Zeit. Die Euphorie des ersten Augenblicks verfliegt, sobald der Alltag den glücklichen Gewinner auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Eine Erkenntnis, der sich auch die ZDF-Reportage „Macht Geld glücklich?“ annimmt. Sie wirft einen Blick in das Leben frischgebackener SKL-Millionäre und offenbart die tatsächlichen Veränderungen des Lotto-Gewinns.

    Geld stimmt Menschen etwas glücklicher

    Geld macht also glücklich, aber eben nur in Maßen. Der positive Effekt hält sich stark in Grenzen und verpufft oberhalb von 60.000 Euro pro Jahr völlig. Auch eine Lohnerhöhung oder ein Lottogewinn relativieren sich schon nach kurzer Zeit. In einigen Fällen ist die Persönlichkeit eines Menschen entscheidend, weil sie dessen Abhängigkeit vom Geld mitbeeinflusst. Zusammenfassend lässt sich aber sagen: Wer wirklich glücklich sein will, sollte sein Leben nicht nach dem Geld ausrichten. Wissenschaftler machten sogar gegenteilige Entdeckungen. Sie sagen: Wer sein Geld ausgibt, um Gutes zu tun, ist im Durchschnitt glücklicher.

    Über diese Artikelserie:

    Wir wollen endlich wissen, was uns alles glücklich macht. Im Rahmen dieser Artikelserie schreiben wir deshalb über Dinge, die uns (angeblich) Zufriedenheit und Glück schenken. Wir recherchieren woran das liegt, wälzen Bücher und das Internet. Und um ganz sicher zu gehen, werfen wir ab und an auch einen Blick in wissenschaftliche Aufsätze und Studien.

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  • (Quelle des Fotos: Mukumbura, cc)

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